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Textilien aus Brennnessel?

Kleidung aus Brennnesseln wiederentdeckt. Auch wenn frische Brennnesseln bei einer Berührung auf der Haut brennen, so kann man sie weiterverarbeitet problemlos tragen. Bereits vor Jahrtausenden waren Methoden bekannt, aus Brennnesseln Bastfasern zu gewinnen und diese zu Textilien weiterzuverarbeiten. Aber besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Brennnesseln, aufgrund von Baumwollknappheiten, interessanter für die Textilindustrie. Doch wirklich angesehen waren diese nicht und trugen so den Ruf, die „Leinen der armen Leute“ zu sein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es Hochzüchtungen, die sogenannten Fasernesseln mit einem besonders hohen Faseranteil im Vergleich zur herkömmlichen Brennnessel. Sie gerieten erneut in Vergessenheit, aber wurde in den 90ern wiederentdeckt.

Von der Brennnessel zum Garn

Wirklich interessant für die Stoffherstellung sind die Fasern der Pflanze. Daher werden die Stängel zunächst zerkleinert und geschüttelt, sodass sich die Fasern vom Holzkern grob trennen. Im anschließenden Produktionsschritt werden Bakterien und Pilze hinzu gegeben, die die übrigen Holzreste von den Fasern lösen. In mehreren Teilschritten wird die cremige, weiße Masse mit Bambusviskose zu Garn gesponnen. In Rundstrickmaschinen wird dieses dann zu Stoff vermascht.

Textilien aus Brennnesseln

Die Bastfasern aus den Brennnesseln zeichnen sich durch ihre feinfädige Struktur aus. Dadurch sind intensive und kräftige Färbungen möglich, da die Fasern so eine vergleichbare große Oberfläche bieten. Schal aus BrennesselfaserDaher lässt sich der Stoff für die verschiedensten Textilien einsetzen. Die Möglichkeiten reichen von Schals über Hosen und Hemden bis hin zu Bettwäsche. Das Material eignet sich nämlich hervorragend für warme Sommertage und kühlt angenehm. An kühleren Tagen hält es hingegen warm. Doch momentan sind Textilien aus Brennnesseln häufig Mischgewebe, da für die Verarbeitung von reinem Nesselgarn im großen Stil noch nicht möglich ist.

 

Textil Brennnessel Qualität

Brennnesseln sind sehr robuste und widerstandsfähige Pflanzen, sodass für sie kaum Pestizide eingesetzt werden müssen. Da sie momentan noch in recht geringen Chargen hergestellt werden, sind die Arbeitsbedingungen gut und nicht menschenunwürdig. Daher gibt es Zertifikate und Prüfsiegel, wie „Naturtextil-IVN zertifiziert BEST“ oder auch „Öko-Tex Standard 100plus“.

Wichtige Hersteller von Brennnesselfasern

Mattes & Amman, einer der größten europäischen Textil Hersteller, fertigt in der Nähe von Stuttgart Nesselgarn. Diese Firma ist ähnlich wie die Schweizer Firma Swico Fil. Sie sehen Brennnesseln als gute Alternative zu den Baumwollprodukten.

Nesselgarn – ein Produkt mit Zukunft?

Im Vergleich zu Baumwolle sind Brennesseln deutlich umweltschonender, weil für ihren Anbau deutlich weniger Wasser und Pestizide gebraucht werden. Die Stoffe sind sehr robust und darüber hinaus wirken sie klimatisierend. Doch momentan taugen sie nicht für die Massenproduktion. Daher bleibt abzuwarten, ob ein erneuter Boom entsteht oder ob sie ein Nischen da sein fristen.

Reportage: Mode aus der Bastfaser Brennnessel

Traditionelle Fasergewinnung aus Brennnessel

Gesine Jost im Interview

 

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